Wenn die nächste Generation übernimmt

„Wir wollen nicht wie ein Versicherungsbroker nur noch Cloud-Services verticken.“ – Stefan Dettwiler, Gründer und CEO von Exxo Services. 

Die IT-Branche ist im Umbruch. Reseller sollen das einfache Verkaufsgeschäft vergessen, an den Rand drängen. Im Zentrum sollen Services, Dienstleistungen stehen. Die Firma Exxo aus Schlieren hat den Wandel vollzogen. Sie steht gleichzeitig für eine Veränderung, die viel subtiler vor sich geht.

 

Es klopft an der Eingangstür von Stefan Dettwilers Elternhaus. Dettwiler öffnet, lässt Stefan Koch herein. Die beiden gehen ohne Umweg in den Keller, in ihr Büro. Das war im Jahr 2009, Dettwiler und Koch damals 21 Jahre alt. Kurz zuvor hatten sie Exxo Services gegründet, Dettwilers heutiges Unternehmen.

 

Wie kommt man als 21-Jähriger auf die Idee, ein Unternehmen zu gründen? „Schon in der Lehrzeit begeisterte mich das Unternehmerische“, sagt Dettwiler. Er machte eine KV-Lehre bei Halter in Zürich. Doch eigentlich fing es schon früher an. Mit 14 Jahren kaufte sich Dettwiler Bücher über Betriebsökonomie, las sie, sog das Wissen gierig auf.

 

Nach seiner Lehre gab es für Dettwiler eine „spannende Herausforderung“ bei Halter, wie er sagt. Die Firma stellte einen CIO ein. Der holte die ausgelagerte IT zurück ins Haus, baute eine eigene IT-Abteilung auf. Der CIO fragte Dettwiler, ob er ihn bei dem Projekt unterstützen wolle. Dettwiler sagte ja. Der CIO konzentrierte sich auf das ERP, Dettwiler kümmerte sich um die Infrastruktur. Eine grosse Herausforderung für Dettwiler. Sonderlich viel IT-Know-how hatte ihm die KV-Lehre nicht vermittelt. „Ich wurde in sehr kaltes Wasser geworfen“, sagt er. Aber Dettwiler war nicht völlig auf sich gestellt. Ein paar Systemingenieure und externe Dienstleister standen ihm zur Seite.

 

Als die neue Abteilung den operativen Betrieb aufnahm, hatte Dettwiler Feuer gefangen. Die IT faszinierte ihn. Er wollte etwas Eigenes aufziehen. Aber mit 21? Viele hätten ihm gesagt, dass es gewagt sei, sich in dem Alter selbstständig zu machen. „Unfug“, sagt Dettwiler. Mit 21 habe man doch keinerlei Verpflichtungen, wohne noch bei den Eltern, müsse keine Miete zahlen. Beste Voraussetzungen also.

 

Aufträge, die ein Lehrling erledigen könnte

Dettwiler hatte Glück. Er und sein Kollege Koch fanden zügig „ein paar grosse Kunden“, sagt Dettwiler. Die hätten den Aufbau der eigenen Firma quasi mitfinanziert. Nach zwei Jahren sei es dann richtig losgegangen. Die beiden zügelten in ihr erstes eigenes Büro. Dreieinhalb Zimmer, Altbau. Eine Wohnung, in der man niemals würde leben wollen, sagt Dettwiler. Aus der Wohnung heraus akquirierten Dettwiler und Koch neue Kunden. Kleinbetriebe, mit zwei, drei Arbeitsplätzen.

 

Aber was genau trieben die beiden? Wie sahen ihre ersten Projekte aus? „Etwas von allem“, sagt Dettwiler. In den ersten zwei Jahren sei das vor allem IT-Support gewesen. Sie richteten Arbeitsplätze ein und konfigurierten kleine Serverumgebungen. „Ganz pragmatische Sachen“, sagt Dettwiler. Aufträge, die heute sein Lehrling im zweiten Lehrjahr erledigen könne.

 

Dettwiler und Koch richteten die Arbeitsplätze aber nicht nur ein, sie verkauften ihren Kunden auch die nötige Hard- und Software. „Damals haben wir sicherlich noch nicht mit Innovationen geglänzt“, sagt Dettwiler. Sie seien kaum mehr als ein „typischer Kleingewerbebetrieb“ gewesen. Ein einfacher Reseller, der sich irgendwie durchkämpfte.

 

2012 änderte sich das. Koch war dann zwar nicht mehr dabei, Dettwiler deswegen aber nicht allein. Er hatte schon ein kleines Team um sich geschart. Alle ungefähr in seinem Alter. Zusammen entwickelten sie Support-Abos, wie Dettwiler es nennt. Pauschalpakete. Für einen fixen Stundensatz boten sie ihren Kunden eine bestimmte Anzahl Stunden Support, einen persönlichen Ansprechpartner, ein Kundenportal, garantierte Reaktionszeiten. „Ab dann ging es richtig los“, sagt Dettwiler.

 

Die Abos kamen gut an im Markt. So gut, dass sie noch heute ein wichtiges Standbein von Exxo sind. Warum funktionierten die Abos so gut? Dettwiler und sein Team sassen damals noch in den Räumen des Altbaus. Der stand in Wohlen. „Das Preisniveau im Freiamt war damals viel tiefer als in Zürich“, sagt Dettwiler. Das hätten sie beim Kalkulieren ihrer Stundensätze nicht bedacht. Zum Glück. „Unsere Preise schlugen in Zürich ein wie eine Bombe“, sagt er. Und noch heute würden sie „wie warme Brötli“ laufen.

 

Kunden glauben, dass junge Menschen nah an der Technik sind

Die Support-Abos markierten aber nur den Anfang. Dettwiler und sein Team bauten das Services-Portfolio kontinuierlich aus. Monitoring-Dienste, Back-up, Virtualisierung, Hosted Exchange. Heute betreibt Dettwiler mit seinem Team ein eigenes kleines Rechenzentrum. Die Firma sitzt inzwischen in Schlieren. Ein weites, offenes Büro. Viel Glas, viel Licht. 10 Mitarbeiter hat Dettwiler. Sie betreuen 200 Kunden, mit 5 bis 200 Arbeitsplätzen.

 

Dettwiler ist heute 27. Das entspricht auch in etwa dem Altersdurchschnitt seiner Mitarbeiter. Wie kommt das bei den Kunden an? „Sehr gut“, sagt Dettwiler. „Viele Kunden glauben, dass junge Menschen einen anderen, besseren Bezug zur IT haben, da wir mit der IT aufgewachsen sind.“ In Verkaufsgesprächen würden Dettwilers Kunden merken, dass er und sein Team „wirklich nah an der Technik“ seien.

 

Es komme allerdings vor, dass er nicht auf Anhieb ernst genommen werde. Dettwiler erinnert sich an einen Auftrag, bei dem er gegen drei andere, grosse Anbieter antrat. Beim zweiten Gespräch mit dem Kunden eröffnete dieser Dettwiler, dass man ihm beim ersten Mal für den Lehrling von Exxo gehalten habe. Der Auftrag ging trotzdem oder vielleicht gerade deshalb an Exxo.

 

Exxo könne in Sachen Know-how mit grösseren Anbietern ohne Weiteres mithalten. Sein Team sei sehr jung, aber es seien alles erfahrene Informatiker, sagt Dettwiler. „Klar, wir können keine Citrix-Farm für 3000 Arbeitsplätze aufziehen. Wer das will, ist bei uns am falschen Ort.“ Ein KMU bis 200 Mitarbeiter sei bei Exxo aber bestens aufgehoben. Für die biete Exxo genau das, was es brauche. Einfache Services, gehostet von und bei Exxo selbst.

 

Das eigene Rechenzentrum von Exxo könne man natürlich nicht mit dem von Green oder Swisscom vergleichen, sagt Dettwiler. Exxo hat zwei Racks, gefüllt mit Servern, Storage und „was es halt so braucht“, wie er sagt. Ein Grossteil der Hardware in den Racks stammt von HPE. „Wir sind eine HP-Firma“, sagt Dettwiler.

 

Mit dem Rechenzentrum will er nicht gegen die Grossen im Markt antreten. „Das wäre stupid“, sagt er. Sinn und Zweck des Rechenzentrums sei es, der „Single Point of Contact“ für die eigenen Kunden zu sein.

 

Ein eigenes Rechenzentrum fördert das interne Know-how

Die Kunden wüssten, wo ihre Daten liegen. Und sie würden es schätzen, dass sie nur eine Rechnung von einem Anbieter bekommen. Egal ob für Virtualisierungsleistungen, Back-up oder physische Hardware am Arbeitsplatz und Support. Das sei Exxos Wettbewerbsvorteil, so würden sie sich von anderen im Markt abheben, sagt
Dettwiler.

 

Aber warum das eigene Rechenzentrum? Mit der wachsenden Zahl an Cloud-Marktplätzen gäbe es doch die Möglichkeit, Cloud-Services anzubieten, ohne grosse Investitionen. „Vor vier Jahren stellten wir uns die gleiche Frage“, sagt Dettwiler. Cloud-Broker werden oder eine eigene Cloud aufbauen. „Wir sind Informatiker. Wir wollen in Zukunft nicht wie ein Versicherungsbroker nur noch Cloud-Services verticken“, sagt Dettwiler.

 

Das eigene Rechenzentrum fördere zudem das interne Know-how. Man lerne all die Produkte kennen, die bei Grosskunden schon im Einsatz seien. Das Rechenzentrum müsse auch nicht rein durch die Cloud-Services für Kunden rentieren. Exxo nutzt es für sich selbst. Für die eigenen Bedürfnisse und für die Selbstentwicklung Business AS. Ein webbasiertes ERP-System, mit dem Exxo im Spätsommer 2015 auf den Markt kam.

 

Auf die Frage nach Problemen, denen Dettwiler im Alltag begegne, runzelt der junge Geschäftsführer die Stirn. Ihm fällt nichts ein. Aber irgendetwas muss es doch geben. „Früher ja. Als wir nur zu dritt waren. Wenn dann einer in den Ferien, einer krank und der dritte in ein Projekt vertieft war, wurde es brenzlig“, sagt Dettwiler. Aber heute sei Exxo eine gestandene Firma, der Helpdesk 12 Stunden durchgehend besetzt. „Der Betrieb läuft wie eine gut geölte Maschine.“ Gründe zum Jammern gebe es für Exxo nicht.

 

Diesen Artikel finden Sie auf IT-Markt unter: http://www.it-markt.ch/de-CH/News/2016/04/04/itm-4-portraet-exxo-wenn-die-naechste-generationuebernimmt.aspx

 

 

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